Donnerstag, 14. Januar 2016

. lebenslabyrinth




'und die schönsten wege waren noch immer die umwege.
schön orientierungs- und leinenlos.'
-bosse-


umwege. ich mochte sie schon immer viel mehr als die geradlinigen.
so ist mein leben durchzogen von umwegen.
und manchmal rolle ich die landkarte aus und betrachte sie von oben.

gehe in gedanken die wege noch einmal.
biege ab. stolpere. falle. und stehe wieder auf.
ich drehe um und laufe dabei gegen wände.
manche reiße ich nieder und manche mich.
dann bleibe ich liegen. schließe die augen. atme tief ein und sammle mut.
um weiterzugehen.
ich schließe türen und öffne andere.
manchmal verliere ich mich dabei - um mich dann neu zu finden.
ich spüre die einsamkeit der straßen.
die unendlichkeit des weges. 

ich versuche die schritte zu zählen.
und verzähle mich dabei.
immer wieder.
was vor mir liegt ist ungewiss.
den kompass hab ich irgendwo am wegesrand liegen gelassen.

der rucksack auf meinen schultern drückt. zu groß ist sein gewicht. 
zuviel habe ich eingesammelt, auf meinem weg.
er lässt meine schritte schwer werden, mich stolpern.
und ich falle, einmal mehr.
kleine steine bohren sich in meine hände und knie.
es ist an der zeit balast abzuwerfen.
zurückzulassen, was mich hält.

und während ich den rucksack leere, jedes stück in die hände nehme, es drehe und wende.
mit erinnerungen betrachte.
und weglege.
wird mein herz leichter. 
mein blick mutiger.
die wunden an händen und knien heilen.
und ich auch.

es braucht so wenig und so vieles nicht.
am ende, brauche ich nur - mich.
mich und ein paar träume.
ein wenige hoffnung.
mut.
beine, die mich tragen.


und so schultere ich meinen rucksack neu.
lasse zurück und lege in erinnerungen ab.

und laufe. weiter.
in meinem lebenslabyrinth.
mein mut wächst. und ich über mich hinaus.
leichtfüssig.
fast so, als würde ich fliegen.
können.

manchmal drehe ich mich um, schaue zurück.
in meinem blick liegt wehmut, trauer, schmerz.
aber auch glück, dankbarkeit und hoffnung.
wohl wissend, dass rückblickend, alles genauso ist, wie es sein soll.
das alles gut ist. 
alles seinen sinn hat.
und mit diesem wissen, gehe ich meine wege.
meine umwege.

denn ohne sie, wäre ich nicht, wer ich bin.
würde ich nicht werden, wer ich sein soll.
und ich wäre nicht, wo ich bin.
hätte aus fehlern nicht gelernt und einsamkeit nicht überwunden.
ich hätte meinen tellerrand nicht gefunden und nie darüber hinaus geschaut.
ich würde nicht hinterfragen und nicht loslassen.
meine beine wäre nicht so stark, wie sie sind.
und mein willen nicht so unbändig.
meine träume wären nur träume.
viel zu viele an der zahl.
aber ich hätte nie den mut, zu leben.
das leben zu leben.

ich wüsste nicht, was es heißt zu verlieren und würde das große glücksgefühl des sieges nicht kennen. 
des angekommen seins.

und ich bin angekommen. nicht am ende. nicht am ziel. noch lange nicht.
und vielleicht gibt es dieses ziel auch überhaupt nicht.
vielleicht werde ich bis zum ende meiner zeit die umwege in meinem labyrinth laufen.
und dennoch bin ich angekommen.
bei mir.
ein stück weit.
vielleicht war und bin immer ich das ziel.
vielleicht ist der einzige sinn, mich zu finden.
mich immer wieder zu finden.
und mich sein zu lassen.
wer ich bin.

vielleicht führt jedes scheinbare herumirren nur dazu, herauszufinden wer ich bin.
mit jedem schritt.
jedem umweg.


ein kleines stück mehr.



mein blick wandert über die landkarte meines lebens. mein labyrinth.
ich kann nur auf die wege blicken, die schon hinter mir liegen. 
was kommt, bleibt mir verborgen.
und das ist gut so.
ich wöllte es nicht wissen.
lieber will ich im ungewissen, meine runden drehen.
mit einem lächeln in den augenwinkeln.
und dem kleinen optimisten in mir, der weiß.
weil er gelernt hat, zu hoffen.

und


zu leben.